Klangspuren Schwaz - Das Festival im Festival: IMPROV #1-#3

Tag 1: tape recorders - Suite

Bereits beim ersten Konzert erfolgte das Eintauchen ins magische Klavierspiel vom australischen Pianisten und Electronic Musikers Anthony Pateras. Dieser wurde im Duo vom französischen Improvisationsmusiker und Komponisten Jerómé Noetinger auf tape recorders unterstützt. Mittels Analog- Synthesizer sowie weit verzweigten Aufnahmebändern entwickelte dieser das Pianospiel von Anthony Pateras weiter und kreierte damit eigene Sounds.

Im zweiten Konzert des Abends erzeugte das neunköpfige Ensemble „Hiatus“ zuerst vom Blatt eine komponierte Suite von Anthony Pateras um dann in eine sehr spezielle Improvisationsphase überzugehen. Im dritten Teil dieses Sets gab Jennifer Walshe unter dem Motto „1984- it´s o.k“ im Trio, Einblicke in ihre Jugendzeit und ihre Assoziation für PUNK.

Tag 2: World Premieren

Am zweiten Abend folgten Konzerte des Trios Frank Gratkowsky, Veli Kujala und Ignaz Schick. Hier traf sich das mit speziellen Blastechniken ausgestattete Altsaxophon- Klarinette- und Flutespiel vom Improvisor in Residence, mit dem Akkordeon von Veli Kujala und des an den Turntables und Electronics agierenden Ignaz Schick in einer ausgefallenen Instrumentenbesetzung zu einer World Premiere. Danach bat der Tenor- und Sopransaxophonist John Butcher ein sehr markantes Quartett als weitere World Premiere auf die Bühne im Silbersaal, mit Liz Allbee  (trumpet), Angharad Davies (violin), Stale Liavik Solberg (drums & percussion).  Hier entstanden Klangwelten unter anderem durch das feine Spiel John Butcher´s und das an Paul Lovens angelehnte Schlagzeugspiel von Stale Liavik Solberg sowie von der aus der neuen Musik kommenden Geigerin Angharad Davies und von Liz Allbee, welche mit ihren einfallsreichen und ausgefeilten Trompetenkonstruktionen dem Quartett auch noch eine elektronische Note einhauchte.

Tag 3: junge Power – Abstraktion - Explosion

Am dritten Tag der Improschiene eröffnete das Quartett „Lillinger / Dell / Westergaard & Tamara Stevanovich“ den Samstagabend. Hier begab sich das hervorragende Improvisationsspiel des jungen Drummers Christian Lillinger auf der Suche mit dem Vibraphonisten Christopher Dell sowie dem double bass Player Jonas Westergaard nach neuen Ausdrucksformen des freien Spiels. Hinzu gesellte sich Tamara Stevanovich, welche mit ihrem Pianospiel das Trio sensationell bereicherte. Tamara Stevanovich beeindruckte bereits auch mit Werken von Pierre Boulez bei den Salzburger Festspielen. Das anschließend sehr intensive Solokonzert von John Butcher am Tenor- und Sopransaxophon wurde mit höchster Konzentration vorgetragen und bereitete den ZuhörerInnen zahlreiche Glücksmomente.

Zum Abschluss dieser wirklich sehr kreativen Konzertreihe betrat SKEIN die Bühne, ein Septett, welches keine Wünsche in der frei improvisierten Musik offen lies. Zu den MusikerInnen Liz Allbee (trumpet), Frank Gratkowsky (woodwinds), Kazuhisa Uchihashi (guitar & daxophon), Achim Kaufmann (piano), Wilbert de Joode (double-bass) gesellten sich Richard Barrett (electronics) und Tony Buck (drums & percussion). Dadurch entstand ein Spiel wie aus einem Guss, worin sich Ansätze von Noise, Rock, ganz ruhigen Strukturen und elektronischen Segmenten wiederfanden.

Tag 4: Klangwanderung - Transitions

Die Abschlusswanderung der heurigen Klangspuren begann bei prächtigem Wetter in Ellmau, unter zahlreicher Anteilnahme von MusikerInnen sowie HörerInnen des Klangspuren – Festivals und schlängelte sich entlang am Fuße des „Wilden Kaisers“ bis St. Johann. Unter dem Motto „Auf den Spuren aus ihrer Heimat vertriebener Tiroler “ wurde an und in ausgefallenen Locations, zum Beispiel im Zuge des Dorffestes Ellmau inmitten der Blaskapelle, am Badeteich in Going, in Scheunen und auf Waldspielplätzen von den teilnehmenden KünstlerInnen des Improfestivals immer wieder feine und ausgefallene musikalische Darbietungen geboten. Die aufziehenden dunklen Wolken, der Wind und leichte Regen konnten der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Die Wanderung endete im wunderbaren Ambiente der alten Gerberei in St. Johann mit einem Abschlusskonzert des Trios Gratkowsky/Kaufmann/de Joode sowie mit Gedanken zum Thema „Fluchtwege“ von Felix Mitterer.

Als interessierter Hörer und Wanderer faszinierte die Konstellation Transitions – Improvisation – Klangspuren - Klangwelten – Crossover und die Wanderung auf den Spuren der Zillertaler Protestanten sowie der magische Anblick des wilden Kaisers.

Horst Schweigebauer

 

von Horst Schweigebauer |