Take Over!

Take Over! thematisiert Geschlechterverhältnisse in der Kunst und Kulturarbeit. Ziel ist der Abbau von Diskriminierung und Sexismus im Veranstaltungsbetrieb, sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen.

Der Kulturbereich ist, wie nahezu sämtliche anderen Bereiche der Gesellschaft, von Männern dominiert. Dies bedeutet nicht nur, dass Männer auf den Bühnen der Veranstaltungszentren, an den Wänden der Galerien, auf den Regiestühlen der Filmproduktionen und in den Büros der Booking-Agenturen deutlich in der Überzahl sind. Es bedeutet gleichzeitig, dass ein Bild von heterosexueller Männlichkeit das kulturelle Schaffen qualitativ, also in Bezug auf Formen und Inhalte, prägt - man denke nur an die junge Frau, die sich in einem Musikvideo lasziv und kaum bekleidet an den muskelbepackten Mann anschmiegt.

Die Reihe take over!, organisiert vom Welser Kulturverein waschaecht, widmet sich diesem Problemfeld seit Herbst 2015. In diversen Konzerten, Filmvorführungen, Diskussionen und Workshops wurden und werden Geschlechterungleichheiten im Kulturschaffen mit einem Fokus auf Musik bzw. musikalische Performance zum Thema gemacht. Dabei sind Künstlerinnen oder Bands, in denen Frauen kreativ den Ton angeben, aufgetreten. Der breite Blick auf unterschiedliche Genres von Songwriter-Pop über HipHop und Elektronik bis zu experimentellem Rock und Improvisation zeigte dabei das große Spektrum weiblichen Musikschaffens auf. Darüber hinaus brachte take over! aber nicht "nur" einfach verstärkt Frauen auf die Bühnen, die Reihe hinterfragte - im Diskurs wie in der Performance - auch klassische Rollenbilder und dualistische Geschlechterkonzeptionen.

Seit 2016 ist take over! nicht mehr als Veranstaltungsreihe, sondern als Projekt (und damit als Querschnittsmaterie) im Portfolio des KV waschaecht verankert. Um dem Label als "Frauenkonzert" entgegenzuwirken, wurde take over! zum Grundprinzip der Vereinstätigkeit aufgewertet und wirkt damit nicht nur im Veranstaltungsbereich (möglichst hoher Frauenanteil bei Konzerten und Lesungen), sondern gilt auch für die Vereinsstrukturen (z.B. die paritätische Besetzung von Funktionen im Vorstand), für die Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit (z.B. geschlechtergerechte Sprache, Auswahl von Bild- und Tonmaterial für Werbung) sowie für den Bereich der Vermittlung & Ermöglichung (z.B. Workshops und Angebote speziell für Frauen und Mädchen).

Women of the world, take over.
Because if you don’t
the world will come to an end.
And we haven’t got long.

(Ivor Cutler / Linda Hirst)

Take Over! Workshop by ch.ear.ful producing

Fr. 23. September 2022
09:–12:00
Workshop

Sa. 24. September 2022
18:30–19:30
Probe vor der Präsentation
ab ca. 21:00
Präsentation der Workshopergebnisse

Der Workshop:
Gemeinsam begeben wir uns auf die Suche nach Geräuschen, Sounds und Tönen in unserer unmittelbaren Umgebung. Der Workshop setzt sich zum Ziel die auditive Wahrnehmung zu schärfen, genau Hinzuhören und die Wahrnehmung von Soundkulissen in Beziehung zum eigenen Körper zu stellen. Durch das Skizzieren von Gehörtem geben wir Klängen eine persönliche Form und interpretieren sie am Instrument neu. Eine Art „feel-recording“ in welchem wir uns vom Recording anhand technologischer Hilfsmittel entfernen und unser eigener Körper diese Funktion übernehmen wird: Gehörtes abspeichern, skizzieren und visualisieren und im nächsten Schritt auf ein Instrument übertragen. Gemeinsam in der Gruppe entstehen dadurch viele einzelne Soundbausteine, welche zusammengetragen etwas Neues entstehen lassen werden – ein vielfältiges Orchester der Wahrnehmung.

Wer: Es ist Jede*r eingeladen an dem Workshop teilzunehmen (auch ohne Vorkenntnisse)!
Ort: Alter Schl8hof Wels
Dragonerstraße 22, 4600 Wels
Kosten: € 20,–
Anmeldung: ab 06. September 2022

Workshopleiter*innen:

Flora Schauer (sie/ihr)
in Wels aufgewachsen, hat ihren Lebens­­mittelpunkt seit nun 10 Jahren in Wien. Jahrelange Gesangs- und Stimm­bildun­gen finden Einfluss in ihren Musikpro­duk­tionen als Solo­künst­lerin und im Mitwir­ken als Sängerin und Instrumentalistin in ihrer Band. Am Instrument Stimme fasziniert sie vor allem die Vielfältigkeit der Klangfarben, die durch körperliche Techni­ken und emotionalen Ausdruck bewusst erzeugt werden können. Die Beschäf­tigung mit Körper und Klang findet sich auch in ihrer Tätigkeit als Physio­thera­peutin, wo die Schulung der eigenen Kör­perwahr­nehmung und die Verbindung von Stimme, Atmung und muskuloskelettalen Bewegungsabläufen Teil ihrer Praxis sind.

Stefanie Hörmanseder (sie/ihr)
zieht für ihr Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst aus dem Inn­viertel nach Wien, wo sie nun seit 7 Jahren lebt. Die Beschäftigung mit freier Improvi­sation, unterschiedlichsten Instru­menten, ihren Spielweisen und Klängen standen während dem Musiktherapie­studium im Mittel­punkt ihrer künstlerischen Tätigkeit. Durch langjährige Körper­arbeit und Tanzunterricht konnte auch das Zusammenspiel von Kunst-Körper-Emo­tion exploriert und vertieft werden. Diese Synergie begleitet sie nicht nur in der Arbeit als Musiktherapeutin, auch im eigenen künstlerischen Schaffen findet sich diese Faszination wieder, in welchem Musikalisches, Visuelles und Performatives ineinandergreifen. Vielfalt, Freiheit im künstlerischen, emotionalen Ausdruck und die Auflösung von Grenzen künstlerischer Ausdrucksweisen stehen somit im Vorder­grund ihres künstlerischen Prozesses.

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